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ORF, nein danke?


Mein lieber textconcept-Redakteur!
Zu Anfang des Jahres scheint im ORF die neue Dankbarkeit ausgebrochen zu sein. Parallel dazu lese ich in den Tageszeitungen herbe Kritik. Kurier schreibt von "Schleimerei", Krone ortet ätzend "Dauerbelästigung", Standard reagiert grantig. Hier melden sich Leute in Marginalglossen zu Wort, die Werbung ansonsten eher ignorieren. Woher diese Skepsis, wie soll man sich da auskennen?

Dr. Held

Vielen Dank Herr Doktor,
Ich darf an dieser Stelle unserem Publikum erklären, was eine Marginalglosse ist, nämlich eine spöttische Randbemerkung, eine polemische Stellungnahme zu Tagesereignissen, meist in einer Tageszeitung gedruckt. Da ich in dieser ORF eigenen Sache nicht ganz unbeteiligt war, freut es mich umso mehr, dass es öffentliche Reaktionen gegeben hat. Die aufgeregte Haltung verstehe ich dabei auch nicht ganz. Aufdringliche Kampagnen gibt es viele. Irgendwie versuchen auch alle Medien sich bei ihren Konsumenten zu "bedanken". Der Standard tut dies intellektuell, indem er seinen Lesern die Zeitung auf den Kopf legt und sagt "Standard-Leser beweisen Haltung". Der Kurier attestiert seinem Publikum den "Überblick mit der richtigen Zeitung", allein die Krone hält sich eher bedeckt mit "Schau in die Krone".

Vielleicht liegt es auch daran, dass Dankbarkeit etwas anachronistisch wirkt. Wir leben in einer Epoche des Undanks, immer seltener sieht man Dankesgesten, wenn man etwa beim Autofahren auf den Vorrang verzichtet, Undank ist auch vieler Eltern Lohn, die ihre Kinder finanzieren, irgendwie ist der Dank out und wirkt dann speziell betont vielleicht kitschig.
Da vergisst man leicht, dass sich in jedem ordentlichen Konzert, von Riccardo Muti bis Robbi Williams jeder Künstler beim Publikum bedankt. Wenn Journalisten und Medienmacher mit voller Energie Zeit, Mühe und Engagement investieren und Hunderttausende finden, die ihnen zuhören, ist es ebenso plausibel, dass sie sich einmal bedanken. Vielleicht macht es ja Schule. In diesem Sinne bin ich Ihnen für Ihre Formulierung "die neue Dankbarkeit" sehr dankbar.

Ihr tc-Redakteur.